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Wie geht es mit dem Riff-Projekt weiter?

Riffe als Ausgleichsmaßnahme

Das seit 2002 laufende Riffprojekt mit all seinen gewonnen Erkenntnissen, basierend auf langjährige Datenreihen und die belegbaren positiven Effekte, sollen dem Ökosystem OSTSEE nicht so einfach zu Gute kommen. Bei den von Menschenhand errichteten Riffen, die nachweislich eine Aufwertung des Ökosystems darstellen, tut man sich schwer, diese als marine Ausgleichsmaßnahme anzuerkennen. Was im terrestrischen Bereich Praxis ist, wie z.B. Aufforstungen, Anlegen von Felssteinhügeln für Reptilien oder Installationen von Bruthilfen und Nistkästen, soll im marinen Bereich nicht stattfinden.

Positive Effekte belegt am Riff NIENHAGEN:
• Durch das Einbringen von Hartsubstrat wurden ca. 18.000 m² zusätzliche Bewuchsfläche geschaffen.
• Im Jahresdurchschnitt sind das 100 t zusätzliche Biomasse, die auf dieser Fläche siedelt.
• 90 % der Biomasse sind Miesmuscheln, die als Filtrierer an einem Tag den gesamten Wasserkörper (400.000 m³) über dem Riff filtern.
• Die Muscheln selber, aber auch die zwischen den Muscheln lebenden Kleinstlebewesen wie z.B. Schnecken, Borstenwürmer oder Krebse sind Nahrung für Fische, Enten und Meeressäuger.
• Die Fischartenvielfalt ist an den Riffstrukturen höher als in einem ca. 4 km entfernt gelegenen Referenzgebiet.
• Aktuell wurden 80 Arten wirbelloser Organismen an den Strukturen nachgewiesen.
• In den Riffstrukturen finden viele Tiere Versteck- und Schutzräume, vor allem auch die Jungdorsche.
• Der Jungdorschbestand an den Riffstrukturen ist nachweislich doppelt so groß wie in oben bereits erwähntem Referenzgebiet.
• Momentan wird durch die Schutzfunktion des Riffs und dem guten Nahrungsangebot die Erhöhung der jährlichen Überlebensrate auf minimal 4.000 Dorsche geschätzt.
• Anhand von Wiederfängen markierter Dorsche wurde nachgewiesen, dass die Dorsche sehr stark lokal geprägt sind. Damit ist ein Riff direkt für die Küstenregion nutzbringend. Bestätigt wurde das durch den flächendeckenden Nachweis des Dorschjahrgangs 2015 im Untersuchungsgebiet Kühlungsborn bis Dierhagen. Dieser Jahrgang wurde von Mitarbeitern des Johann Heinrich von Thünen-Instituts als der schwächste Jahrgang der bisherigen Erhebungen des internationalen Rates für Meeresforschung eingeschätzt.

Am 05.06.2018 wurde beim LUNG MV zur Problematik „Anerkennung der Anlegung von Riffen als Ausgleichsmaßnahme“ ein Arbeitsgespräch geführt. Dieser für das Projekt so wichtiger Termin war langfristig zwischen dem LUNG und der LFA abgestimmt. „Leider“, so die Worte der Mitarbeiter des Naturschutzes zu Beginn der Veranstaltung, „sitzen wohl nicht die richtigen Ansprechpartner ihrerseits am Tisch“. Warum war dieses Treffen aber so wichtig für das Riffprojekt? Mit einer Anerkennung der durch Menschenhand angelegten Riffstrukturen als Ausgleichsmaßnahme für negative Eingriffe in das Ökosystem OSTSEE wäre eine Finanzierung für den Einbau weiterer Riffe abgesichert und eine Weiterführung des Riffprojektes diskussionslos begründbar. Offshore-Wasserbaufirmen fordern seit langem ein Angebot an Kompensationsmaßnahmen im marinen Bereich und haben Lösungsansätze unterbreitet. Zum Beispiel wird die Nutzung von denen beim Trassenbau (Erdgasleitungen, Seekabel) in der Ostsee anfallenden Steineinschlüssen für die Anlegung von Riffen vorgeschlagen.
Bei den seit November 2015 laufenden speziellen Arbeiten des Riffprojektes war es den Wissenschaftlern gelungen, Ansätze für eine finanzielle Bewertung der nachweislich positiven ökologischen Effekte solcher Riffe zu finden. Insbesondere betraf das die Fragen des Bewuchses und dem damit verbundenen Nährstoffaustrag sowie der fischereilichen Aufwertung des Seegebietes, speziell der Dorschpopulation. Die erhobenen Daten und die daraus resultierenden Annahmen und Schlussfolgerungen sollten in einer Weiterführung statistisch unterlegt, zusätzliche Verknüpfungen analysiert und die Berechnungsmethoden verfeinert und präzisiert werden. Des Weiteren, so der Plan, sollten die in der Vergangenheit mit Grundschleppnetzen stark befischten Gebiete in den Küstengewässern MVs ausfindig gemacht, die angerichteten Schäden analysiert und Renaturierungsvorschläge (Anlegung von Steinfeldern) unterbreitet werden.
Nun ist eine Weiterführung des Riffprojektes aber in Frage gestellt, weil die Vertreter des Naturschutzes gegen jegliche Eingriffe in die Natur sind, auch gegen die durch Menschenhand angelegten Riffstrukturen als marine Ausgleichsmaßnahmen. "Wir wollen auch keine Kabeltrassen" so die alles umfassende Grundhaltung und Aussage eines Mitarbeiters des StALU WM. Unumstritten ist aber, dass diese für die Anbindung der marinen Windparks und damit der ökologischen Energiegewinnung zwingend notwendig sind. Für diese Eingriffe werden in den durch das LUNG erarbeiteten „Hinweisen zur Eingriffsregelung“ (HzE) MVs raum- und zeitnahe Ausgleichsmaßnahmen gefordert und die Anlegung von Steinfeldern wird sogar als Ausgleich mit einer Werteinstufung 2 aufgeführt.
Warum also keine Anerkennung? Dass es in Einzelfällen geht, zeigt die jüngste Vergangenheit - die Ostseezeitung 13. Oktober 2017 berichtete. So wurde bei Stralsund der Errichtung eines künstlichen Riffs aus Betonabbruchelementen eines früher genutzten Schiffsanlegers als Ausgleich für eine Hafenbaumaßnahme zugestimmt und die Maßnahme über die Eingriffsregelung realisiert.
Auf Nachfrage der Wissenschaftler der LFA, auf welcher Basis in diesem Fall die Eingriff-Ausgleich-Bewertung durchgeführt wurde, konnte auf dieser Veranstaltung (05.06.2018) seitens des Naturschutzes keine ausreichende Auskunft erteilt werden. Dass das anhand von Ökopunkten geschieht, ist unumstritten. Dass diese Ökopunkte sich aber nur aus dem verwaltungstechnischen Aufwand ergeben, wie ein Mitarbeiter des Naturschutzes erklärte, ist nicht nachvollziehbar. Am 20.06.2018 erhielten die Wissenschaftler der LFA von der im Fall Strelasund zuständigen Naturschutzbehörde die Auskunft, dass beim Rückbau der alten Schiffsanleger das Kriterium „Verbesserung des Landschaftsbildes“ entscheidend und Basis für die Ausgleichsregelung war.
Um einen möglichst nahtlosen Übergang bei der Weiterführung des Riffprojektes zu ermöglichen, hat die LFA bereits Ende Juli um einen neuen Gesprächstermin mit den zuständigen Vertretern der Behörden gebeten. Ziel ist ein konstruktives Gespräch zu führen, um anhand einer objektiven Entscheidung zu wissen, wie und ob es mit dem Riffprojekt weitergeht. Leider gibt es bis heute keine Reaktion auf die Anfrage.
Unabhängig vom Ausgang der möglichen Neuauflage des Arbeitstreffens werden die Projektbeteiligten Ende Oktober 2018 ein Model zur Ausgleichsberechnung für Riffe, bezogen auf den Bewuchs und am Beispiel der Fischart Dorsch, vorlegen. Wenn nicht in MV, dann findet es vielleicht in S-H Anerkennung, denn dort ist man schon seit einiger Zeit an der Erarbeitung einer landesweiten Richtlinie zur Ausgleichsberechnung für Steinschüttungen interessiert und wird hoffentlich die vorgeschlagenen Lösungsansätze zur Präzisierung des Bewertungsmodells übernehmen.
Die Mitarbeiter des Riffprojektes sind für den Naturschutz und sehen vor allem die Wiederherstellung der durch anthropogene Einflüsse verursachten Schäden, die Verbesserung des ökologischen Zustandes sowie der Stabilisierung der Fischbestände und damit den Schutz der Ostsee als ihre wichtigste Aufgabe an. In diesem Sinne hoffen sie weiter auf die Anerkennung der durch Menschenhand angelegten Riffstrukturen als Kompensationsmaßnahme und damit einem aktiven Managementelement für die Fischpopulationen ob Dorsch, Hering oder Aal.

Vielleicht teilen auch sie uns ja mal ihre Meinung mit, ob künstlich angelegte Steinfelder als Ausgleichsmaßnahmen im marinen Bereich Anwendung finden sollten (Kontakt: info@riff-nienhagen.de).

News vom 29.08.2018 I geschrieben von Thomas Mohr

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